Kommende Ausstellung:
25 04 26 - 31 05 2026
FINJA SANDER
“will groß sein, will siegen” ¹
Eröffnung: Freitag, 24. April 2026, 19 Uhr
Begrüßung: Alex Besta,
Einführung: Antonia Rittgeroth, Kunstwissenschaftlerin
Führung durch die Ausstellung mit Alex Besta, 02.Mai 26, 15 Uhr, eine weitere Führung wird rechtzeitig angekündigt
Der Titel greift ein Spannungsfeld auf, das die gesamte Ausstellung durchzieht. Der Wunsch nach Geltung, Haltung, Überwindung und die Erkenntnis, dass es die kleinen, intimen, oft unsichtbaren Gesten sind, die uns wirklich tragen. Ein Echo einer Gesellschaft, die lernen muss, Stärke neu zu denken.
Die Ausstellung knüpft unmittelbar an Sanders künstlerische Forschungen zu Erinnerungskultur, kollektivem Gedächtnis und den Bruchstellen institutionalisierter Gedenkpraktiken an. Zwei ortsspezifische Arbeiten stehen in einem engen dialogischen Verhältnis zueinander und bilden gemeinsam eine begehbare Rauminstallation, die das Verhältnis von Fürsorge, Erschöpfung und Zusammenhalt befragt.
Die fotografische Arbeit backyard reunion, Teil der 2025 entstandenen Serie Twenty-Something Girls, zeigt die Künstlerin selbst im Garten eines typischen Londoner Terraced House, wie sie sich übergibt. Die Haare werden ihr dabei von einer langjährigen Kindheitsfreundin gehalten. Sander greift hier eine popkulturell verankerte Geste gegenseitiger Fürsorge auf, die sie der US-amerikanischen Serie Sex and the City entnommen und in ihre eigene künstlerische Auseinandersetzung mit Intimität, Schwäche und Gemeinschaft eingebunden hat. In einer Erinnerungskultur, die zunehmend distanziert und entleert wirkt, gewinnt diese intime Geste des Kümmerns und des geteilten Leids eine politische Dimension. Sie verweist auf Empathie als Handlungsspielraum, auf das Fundament demokratischer Kultur.
Dem gegenüber steht eine raumgreifende Installation aus Baustützen, die durch orangefarbene Spanngurte unter Spannung gehalten werden. Die Gurte tauchen in Sanders Praxis seit Jahren immer wieder auf. Sie stabilisieren und begrenzen Körper, Gewicht und Raum, geben Richtungen vor, erzeugen Sichtachsen. Die improvisierte Architektur konfrontiert den historisch gewachsenen Umraum mit einer fragilen, temporären Struktur und verbindet die Ausstellungsräume zu einem gemeinsamen Gefüge.
Was beide Arbeiten verbindet, ist die Frage, wie Erinnern heute aussehen kann, das nicht einfriert, sondern trägt. Sanders Antwort ist körperlich, prozessual und bewusst unabgeschlossen. Relikte werden umgewidmet, Gesten neu kontextualisiert, Materialien kehren in veränderten Konstellationen wieder. Diese permanente Neuausrichtung ist kein Mittel, sondern Voraussetzung der Arbeit. Erinnerung nicht als Monument, sondern als fortlaufende, lebendige Praxis.
Zur Künstlerin:
Finja Sander, *1996 in Hildesheim, lebt und arbeitet in Berlin. Mit Maschinen und Muskelkraft arbeitet sie sich am Begriff des kollektiven Gedächtnisses ab. Sie erkundet dessen Mechanismen und legt die Ambivalenzen und Sollbruchstellen bestehender Ästhetiken und Gesten innerhalb des ritualisierten Gedenkens frei. Ausgehend vom eigenen Körper als sensiblem Resonanzraum arbeitet Sander vor allem performativ, aber auch skulptural, fotografisch und installativ.
Ihre Performances und Werkkomplexe wurden unter anderem in der Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg (2026), im Hospitalhof Stuttgart (2025), der Villa Hügel Essen (2024), im Kunstverein Augsburg (2024), im Wallraf-Richartz-Museum Köln (2023), auf der Skulpturen Triennale in Bingen (2023), in den Barlachmuseen Güstrow (2023) und im Museum für Fotografie Berlin (2021) gezeigt. Sander schloss 2022 ihr Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste Berlin in der Klasse von Valérie Favre mit dem Meisterschülerinnentitel ab. 2023 erhielt sie den UdK Berlin Art Award, 2025 den Artheon.Kunstpreis für ihre performative Reihe Für Morgen.
1: "will groß sein, will siegen", Hildegard Knef, Für mich soll‘s rote Rosen regnen, 1968
Kontakt
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