Öffentlicher Raum
Timm Ulrichs, 1988
Timm Ulrichs, 1988

Ein besonderer Schwerpunkt im Programm des Kunstvereins Wilhelmshöhe Ettlingen liegt in der Präsentation von Bildhauerei und damit verbundenen künstlerischen Konzepten im öffentlichen Bereich. So war der Kunstverein in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit Ausstellungen und Projekten im Ettlinger Stadtraum präsent.

Zum Bildhauersymposium 1988

Klaus Simon, 1988
Klaus Simon, 1988

waren die Bildhauerin Barbara Haim sowie die Bildhauser Hüseyin Altin, Claus-D. Moor, Werner Pokorny, Klaus Simon, Timm Ulrichs und Voré eingeladen.
Sie erarbeiteten während eines mehrwöchigen Aufenthaltes auf der Wilhelmshöhe in den klassischen Materialien Holz, Metall und Stein Skulpturen und Plastiken, die z. T. noch heute erhalten sind und zum selbstverständlichen Erscheinungsbild der Stadt gehören.

Bereits bei einer Diskussionsveranstaltung während des Ettlinger Symposions, an der Karl Prantl, Leo Kornbrust, Eberhard Eckerle, Uwe Rüth und die Künstler teilnahmen, ergaben sich auch skeptische Aspekte zur Zukunft der Symposien dieser Form und Überlegungen zu anderen Möglichkeiten der Präsentation von Kunst im öffentlichen Raum. Kritisch gesehen wurden der hohe Zeitaufwand für die Künstler, die übermäßige Betonung des Handwerks und die Ausschaltung komplexerer technischer Produktionsformen, die eben nicht vor Ort genutzt werden können.

1996 "Projekte in der Stadt"

Johannes Pfeiffer, 1996
Johannes Pfeiffer, 1996

mit Silke Fehsenfeld, Friederike van Lawick / Hans Müller, Camill Leberer, Agnes Lörincz, Johannes Pfeiffer, Philip J. Reilly, Albrecht Schmidt, Schweizer & Stemmler, Simone Westerwinter und Georg Winter

1996 entwickelte der Kunstverein Wilhelmshöhe als Beitrag zu den Landeskunstwochen mit „Projekte in der Stadt“ ein Konzept, das die damalige Vorsitzende des Kunstvereins Wilhelmshöhe, Dr. Juliane Huber, wie folgt beschreibt: „Als Beitrag der Wilhelmshöhe zu den Landeskunstwochen waren ortsspezifische Arbeiten erwünscht und bei einer solchen Vorgabe bietet sich eine kontextspezifische oder interventionistische Vorgehensweise ja geradezu an. Alle Arbeitsvorschläge der 15 beteiligten Künstler wurden eigens für den Kontext ,Ettlingen und Landeskunstwochen‘ projektiert. So unterblieb eine Skulpturenshow im herkömmlichen Sinne, stattdessen wurde der künstlerische Dialog mit den Gegebenheiten dieser Stadt zum Leitthema.“

2005 "Promenadenmischung"

Peng Sun, 2005
Peng Sun, 2005

Studierende der Klasse Prof. Leni Hoffmann, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe: Beatrice Adler, Bernhard Bretz, Mateusz Budasz, Franziska Degendorfer, Maria Fetsch, Katrin Heister, David Heitz, Caroline Keppi, Oliver Kranz, Schirin Kretschmann, Antoanetta Marinov, Sonia Ramirez-Becker, Anne-Katrin Schmid, Peng Sun, Salomé Vargas Giraldo
 und Studierende der Klasse Prof. Udo Koch, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Hie Bae, Max Bansemer, David Baur & Marcus Fauser, Raul Ciosici, Helmut Dietz, Elke Hennen, Jin-Ho Heo, David Kähler, Chiara Krause, Won-Ho Lee, Gregor Linz, Jan Löchte, Nina Müller, Tino Panse, Rudolf Reiber, Stefan Rohrer, Rosa Rücker, Heide Spieth-Wolpert, Ming Zhong

Jan Löchte, 2005
Jan Löchte, 2005

Die Klassenbegegnung Udo Koch / Leni Hoffmann lud 2005 zur "Promenadenmischung" in die Ettlinger Altstadt ein. Dieses Experiment mit 25 jungen BildhauerInnen aus Stuttgart und Karlsruhe / Freiburg sorgte für anregende Begegnungen und stieß auf überregionale Resonanz.

Die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der künstlerischen Lösungen der Kunststudierenden ermöglichten den Bürgern und Besuchern der Stadt Ettlingen einen profunden Einblick in die aktuellen künstlerischen Vorstellungen und Konzeptionen junger Künstlerinnen und Künstler.

Die Skulpturenausstellung im Stadtraum Ettlingen 2008

Eröffnung 2008
Eröffnung 2008

umfasste acht Positionen zeitgenössischer Holzbildhauerei im Stadtraum Ettlingen und war der Auftakt zur Ausstellung »Aus dem Stamm – Die Sinnlichkeit des Materials – Holzskulpturen heute«, die im Frühjahr 2009 in den Ausstellungsräumen des Kunstvereins gezeigt wurde. Das Projekt markiert auch den Beginn für ein künftiges Skulpturenprojekt im Gelände unterhalb der Wilhelmshöhe (laut Gemeinderatsbeschluss). Das Ausstellungsprojekt wurde von Führungen und einem Vortrag begleitet und eröffnete eine lebhafte Diskussion und neue Blicke auf Plätze und Orte der Stadt.

Die Skulptur von Daniel Wagenblast am Schröder-Kreisel in der Ortseinfahrt wurde von der Stadt Ettlingen und mit Hilfe von Spenden aus der Bürgerschaft angekauft. Ebenso ging das "Herz für Ettlingen" von Karl-Manfred Rennertz durch einen Erwerb der Stadtwerke und das "Ensemble" von Ulrike Israel durch eine großzügige Spende eines einzelnen Ettlinger Bürgers in den Dauerbestand der Ettlinger Skulpturen im öffentlichen Raum über.

Teilnehmende Künstler:

  • Franz Bernhard
  • Armin Göhringer
  • Ulrike Israel
  • Jin-Ho Heo
  • Klaus Prior
  • Karl Manfred Rennertz
  • Eckard Steinhauser
  • Daniel Wagenblast

Für mehr Informationen, klicken Sie auf die einzelnen Künstler:

Franz Bernhard: Figur schwebend, 2004.
Franz Bernhard: Figur schwebend, 2004
Franz Bernhard: Figur schwebend, 2004
Eisen und Bongossiholz 175 × 5 × 165 cm.

Der Titel »Figur schwebend« sagt das Wesentliche über die Skulptur von Franz Bernhard und ist zugleich hilfreich für ungeübte Betrachter. In der Tat sind Bernhards Skulpturen nie abstrakt, sondern sie leiten sich grundsätzlich von der menschlichen Figur ab. Über dem Standflächenkeil sind Fuß und Bein sowie der darüber in die stählernen Hüften eingefügte hölzerne Rumpf erkennbar, der durch ein nurmehr angedeutetes stählernes Haupt abgeschlossen wird. Die Schrägneigung der Figur, die unserer Seherfahrung von Stabilität widerspricht, vermittelt den Eindruck eines leichten Schwebens.

Armin Göhringer: Ohne Titel, 2007.
Armin Göhringer: Ohne Titel, 2007
Armin Göhringer: Ohne Titel, 2007
Robinie geschwärzt, Eisen 350 × 30 × 30 cm.

Den Stamm hat Armin Göhringer von oben einseitig vertikal eingeschnitten und von etwa der Mitte an lässt er von der
Gegenseite horizontale Schnitte einsetzen. Wo die beiden Grundrichtungen einander durchdringen, wird die Polarität unserer Existenz uns anschaulich und räumlich greifbar vorgeführt. Es entstehen rasterartige Durchblicke, die den Umraum mit benachbarten Bäumen und Gebäuden aber auch die unendliche Weite des Himmels mit dem Werk verbinden.

Ulrike Israel: Ensemble, 2007.
Ulrike Israel: Ensemble, 2007
Ulrike Israel: Ensemble, 2007
Fichtenholz, rot lasiert, 400 cm hoch.

Das »Ensemble« von Ulrike Israel besteht aus 6 einfachen stereometrisch geformten Teilen, die aus schwerem Bauholz zusammengefügt wurden. Aus der Nähe nimmt man im Wechsel der Blickrichtungen den Kontrast horizontaler und vertikaler Elemente wahr, genießt die reliefierten leuchtenden Oberflächen. Erst aus größerer Distanz erschließt sich der kompositorische Zusammenhang und man erkennt die beiden Torsi und die ausgestreckten Beine eines Menschenpaares. So wird das »Ensemble« zu einem Exempel für die Mehrdeutigkeit eines Kunstwerks und die entsprechend ambivalenten Verhaltensweisen des Betrachters.

Jin-Ho Heo: Es ist nur rote Farbe, Feuer, 2007.
Jin-Ho Heo: Es ist nur rote Farbe, Feuer, 2007
Jin-Ho Heo: Es ist nur rote Farbe, Feuer, 2007
Dachlatten, verleimt 183 × 63 × 130 cm.

Aus einem aus Dachlatten zusammengefügten Holzblock hat Heo eine stehende männliche Figur mit dem Beitel herausgearbeitet. Der Mann im Anzug zeigt keinerlei Bewegung, doch scheint er gerade ein Paar Schritte nach vorne gemacht zu haben und nun angespannt zu verharren. Er fixiert das Gegenüber mit starrem Blick. In der rechten Hand hält er wie eine Stichwaffe einen Pinsel. Dieser, die Hand, das rechte Hosenbein, der rechte Schuh und der Boden sind mit roter Farbe verschmiert. Diskret aber energisch weist der Zeigefinger der linken Hand auf die Farbspuren. Nein, es hat sich keine Tragödie abgespielt, denn der Titel beschwichtigt: »Es ist nur rote Farbe … «. Der Zusatz »Feuer« folgt jedoch wie eine offene, erneut beunruhigende, Frage.

Klaus Prior: Torso, 2004.
Klaus Prior: Torso, 2004
Klaus Prior: Torso, 2004
Zeder, holzbelassen 225 × 112 × 78 cm.

Bei dem monumentalen menschlichen Torso aus naturbelassener Zeder wächst der Rumpf aus einem kubischen Block heraus. Die Arme sind durch knappe Stümpfe unterhalb des Schultergelenks markiert und ein mächtiges Haupt schließt die Figur ab. Körper und Kopf sind grob modelliert, so dass die durch den Einfluss der Witterung entstandene feine silbrige Oberfläche besonders hervortritt. Durch lineare Einschnitte hat Prior die Figur grafisch so differenziert, dass zusammen mit dem Infinito eine expressive Anmutung zustande kommt. Last und Leiden eines langen und schweren Lebens scheinen sich in diese Persönlichkeit eingegraben zu haben.

Karl-Manfred Rennertz: Ein Herz für Ettlingen, 2008.
Karl-Manfred Rennertz: Ein Herz für Ettlingen, 2008
Karl-Manfred Rennertz: Ein Herz für Ettlingen, 2008
Eiche, bemalt, 260 cm hoch.

Sein Herz für Ettlingen hat der Baden-Badener Bildhauer Karl-Manfred Rennertz entdeckt und er widmet sein prachtvolles Werk der Stadt und ihren Bürgern. Rennertz: »Dieses Herz ist ein einfaches Herz, wie man es in die Rinde der Bäume ritzt, wenn man verliebt ist. Das Ettlinger Eichenherz ist mit der Motorsäge dem Baum abgerungen und eine Tonne schwer. Fast schalkhaft wackelt es scheinbar auf seinem Sockel, legt sich leicht zur Seite und lächelt rot durch das leichte Grün auf der Flussinsel.«

Eckart Steinhauser: Stamm und Balken, 2008.
Eckart Steinhauser: Stamm und Balken, 2008
Eckart Steinhauser: Stamm und Balken, 2008
Fichte und Pappel, 1400 × 120 × 130 cm.

Fünf massive Baumscheiben aus Pappelholz werden in leicht aufsteigender Richtung von einem Fichtenbalken durchdrungen. So vermittelt sich der Eindruck des ursprünglichen Pappelstamms. Doch der Fichtenbalken bringt auch etwas Fremdes in das Werk und seinen Raum, das vor einer allzu simplen Deutung warnt. Während die Fahrzeuge am Aufstellungsort zügig vorbeigleiten, lässt die vierkantige Achse mit den schweren Walzen eher an eine schwerfällige Bewegung denken. Und die Schrägstellung auf dem leicht ansteigenden Gelände sowie die Durchdringung der Alleenbaumreihe erzeugt eine Vielfalt differenzierter Richtungsbezüge.

Daniel Wagenblast: Ohne Titel, 2008.
Daniel Wagenblast: Ohne Titel, 2008
Daniel Wagenblast: Ohne Titel, 2008
Esche, 430 cm hoch.

Schon von weitem erkennt man die Doppelfigur auf dem 3 Meter hohen Postament. Auf dem Kopf eines großen Mannes steht ein kleiner Mann, die rechte Hand beider beschattet die Augen und sie blicken aufmerksam in die Ferne – der eine nach Karlsruhe, der andere nach Ettlingen. Aus unmittelbarer Nähe fallen die spiralig verlaufenden Kannelüren des Säulenstumpfs ins Auge, die den Bewegungsfluss der Verkehrsteilnehmer im Kreisverkehrs aufnehmen, so dass man am liebsten noch eine künstlerische Ehrenrunde drehen möchte.