Art Frankfurt Preis
Preisverleihung art Frankfurt 2003
Preisverleihung art Frankfurt 2003

Seit dem Jahr 2000 vergibt die Frankfurter Kunstmesse art Frankfurt einen Preis an einen besonders erfolgreichen und verdienstvollen europäischen Kunstverein. Die mittlerweile als art Frankfurt Preis firmierende Auszeichnung war zunächst nach dem in Frankfurt am Main gebürtigen Maler Adam Elsheimer benannt und hieß Adam-Elsheimer-Preis. Im Jahr 2003 wurde der Kunstverein Wilhelmhöhe Ettlingen e.v. ausgezeichnet.

Bisher ging der mit 13.000 Euro dotierte Adam-Elsheimer-Preis nach Aachen, Bremen und Frankfurt am Main, also an größere deutsche Kunstvereine. Doch vergleichbar sind diese Institute nicht miteinander; sie haben unterschiedliche Strukturen (Mitglieder, Finanzen, Personal, Räume) und ganz verschiedene Programme. Folglich definieren sich die rund 220 in der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine" (AdKV) organisierten Institute vor allem über ihre jeweilige Funktion am Ort. Ein kleines Institut in der Region zwischen Flensburg und Friedrichshafen hat eben ein anderes Gewicht als ein Verein in Großstädten wie Düsseldorf oder Dresden, wo er nur einen Part in einem vielstimmigen Konzert gibt. Aber ob Metropole oder Region: Basisarbeit wird allemal geleistet mit dem Vertrauen auf junge Künstler, die später vielleicht bei großen Ausstellungen den Ton angeben oder in die Museen einziehen.

Messestand art Frankfurt
Messestand art Frankfurt, 2003

Basisarbeit im wahrsten Sinne betreibt auch der Ettlinger Kunstverein, der mit einem Jahresetat von nur 20.000 Euro ein respektables Ausstellungsprogramm vorlegt. Einen künstlerischen Direktor gibt es nicht, nur eine Teilzeitkraft für das Büro. Andere Arbeiten werden ehrenamtlich geleistet von Vorstand, Beirat und weiteren Helfern unter den rund 240 Mitgliedern. Der Ettlinger Kunstverein ist ein gutes Beispiel dafür, dass Interesse, Neugierde, Freude oder auch Irritation über Kunst zu tatkräftiger Mithilfe anspornen können.

Mit dem Adam-Elsheimer-Preis wird also in diesem Jahr auch die Kunstvermittlung in der Region und das unentgeltliche Engagement von Kunstinteressierten gewürdigt. Das ist auch das Anliegen des Preises, (anerkennende) Hilfe zu leisten für die Vermittlung und Rezeption aktueller Kunst. „Ähnlich wie eine Kunstmesse immer wieder neue Positionen, Ideen und Künstler präsentiert, soll der Adam-Elsheimer-Preis einem Kunstverein die Chance für den Blick nach vorne geben" – so Marianne El Hariri, die Leiterin der art Frankfurt. Allerdings ist die Preissumme nicht projektgebunden, sie kann für eine Ausstellung oder ein Projekt ebenso verwendet werden wie für die Basisarbeit.

Den Aspekt des bürgerschaftlichen Engagements betonte auch Heiner Schepers, der Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine” (AdKV), in seinem Statement zur diesjährigen Entscheidung über die Vergabe des Adam-Elsheimer-Preises: „Kunstvereine wie der in Ettlingen stehen sicher nicht im Rampenlicht der bundesdeutschen Kunstszene, leisten aber gleichwohl unverzichtbare Arbeit in der Region, denn ohne die große Vielzahl von Kunstvereinen in unserem Lande gäbe es nicht so viele Möglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler, qualifizierte Ausstellungsorte zu finden. Dass in diesem Jahr ein kleiner Kunstverein den Adam-Elsheimer-Preis erhält, zeigt deutlich, dass dieser Preis eine gesellschaftspolitisch relevante Grundidee ehren und fördern will, nämlich das bürgerschaftliche Engagement der Kunstvereine für die Kunst."

Der 1985 von einer Ateliergemeinschaft gegründete Ettlinger Kunstverein setzt sich für zeitgenössische Kunst mit den Schwerpunkten Installation, Malerei, Fotografie und Bildhauerei ein. Besonders um Kunststudenten machte er sich verdient mit seiner Ausstellungsreihe über Akademieklassen. Seit 1994 waren zu Gast die Klassen von Peter Dreher (Karlsruhe/Freiburg), Dieter Krieg (Düsseldorf), Helmut Dorner (Karlsruhe), Cordula Güdemann (Stuttgart) und Magdalena Jetelová (Düsseldorf). Daneben werden junge Künstler in Einzel- oder Doppelausstellungen präsentiert wie Isa Dahl, Sinje Dillenkofer, Stefan Hösl, Sven Kroner oder Daniel Wagenblast, außerdem wurden Förderkataloge finanziert. Auch etablierte Künstler kommen nach Ettlingen, zuletzt 2001 Timm Ulrichs, davor Jürgen Brodwolf, Tony Cragg und Emil Schumacher.

All das wird geleistet ohne künstlerischen Leiter: „Dank unserer offenen Arbeit im Vorstand und Beirat ist unser Programm nicht an einer Führungsperson ausgerichtet wie in anderen Kunstvereinen. Diese moderierende Tätigkeit ist oft viel schwieriger, beinhaltet aber auch die Chance, Kräfte zu bündeln und Kompetenzen zu nutzen. So gestalten wir ein Ausstellungsprogramm mit vielfältigen Positionen zeitgenössischer Kunst", meint Brigitte Ruland-Mollien, die Vorsitzende des Vereins. Immerhin stehen in dem über 100 Jahre alten Ettlinger Gebäude auf einer Ebene 250 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, die sich mit vier unterschiedlich großen Räumen auch für Gruppenausstellungen oder für Gegenüberstellungen von arrivierten und jungen Positionen eignen.

Zitat aus dem Presseinfo der art Frankfurt 2003:

"art Frankfurt - die europäische Messe für junge Kunst
vom 27. April bis 1. Mai 2003 in Frankfurt"

Sinn des jährlich auf der Art Frankfurt verliehenen Adam-Elsheimer-Preises ist es, jeweils einen europäischen Kunstverein für seine Basisarbeit in Bezug auf die Rezeption und die Vermittlung zeitgenössischer Kunst auszuzeichnen. Die art Frankfurt honoriert damit die Arbeit von Kunstvereinen, die häufig mit geringem finanziellen Spielraum aktuelle Tendenzen und nicht abgesicherte Positionen der Gegenwartskunst präsentieren, sie thematisieren und ihnen Raum geben. Das Preisgeld in Höhe von 13.000 € kann von den Kunstvereinen projektunabhängig eingesetzt werden.

Die 1992 als Ehrenpreis ins Leben gerufene Auszeichnung wurde bis 1999 an herausragende Sammlerpersönlichkeiten verliehen, darunter der Initiator der Kunstsammlung der Deutschen Bank, Dr. Herbert Zapp, der dänische Sammler und Museumsgründer Knud W. Jensen, der New Yorker Galerist Leo Castelli, der Kaufmann und Kunstfreund Reinhold Würth, der Freiburger Mäzen und Sammler Franz Armin Morat, das Kölner Sammlerehepaar Garnatz, der Frankfurter Sammler und Kunstförderer Michael Loulakis sowie der Thüringer Sammler Günter Lichtenstein.

Seit dem Jahre 2000 wird der Adam-Elsheimer-Preis jeweils an einen Kunstverein verliehen:

  • 2000: Neuer Aachener Kunstverein, Aachen
  • 2001: Gesellschaft für aktuelle Kunst, Bremen
  • 2002: Frankfurter Kunstverein e.V., Frankfurt am Main
  • 2003: Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen, Ettlingen

Auch in Zukunft wird zu jeder art Frankfurt ein Kunstverein für seine Arbeit ausgezeichnet. Die in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (AdKV) entwickelten Vergabekriterien sind:

  • *die Förderung zeitgenössischer Kunst im regionalen und internationalen Zusammenhang
  • *die kontinuierliche Präsentation von Gegenwartskunst in Ausstellungen
  • *die Förderung experimenteller künstlerischer Ansätze für die Entwicklung neuer Präsentationsformen
  • *die Vergegenwärtigung der Wurzeln aktueller Kunst
  • *die Vermittlung durch Führungen, Diskussionen etc.
  • *die Erprobung neuer Kommunikationsformen über Kunst
  • *die Kooperation mit anderen Kunstvermittlern
  • *der Aufbau interdisziplinärer Netzwerke
  • *die kulturpolitische Arbeit vor Ort

Die für die Vergabe des Preises zuständige Jury setzt sich aus den ehemaligen Preisträgern, Fachleuten und Vertretern der Medien zusammen. Diese sind für den Preis 2003:

Prof. Dr. Klaus Gallwitz (Sprecher), Karlsruhe, Eberhard Garnatz, Köln, Michael Hierholzer, Frankfurt, Michael Loulakis, Frankfurt, Nikolaus Schafhausen, Frankfurt, Rudolf Schmitz, Frankfurt, C. Sylvia Weber, Künzelsau, Dr. Herbert Zapp, Frankfurt und Marianne El Hariri, Frankfurt.

Der Gewinner des Adam-Elsheimer-Preises 2003 ist der Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen.

Der Preis wird anlässlich der Eröffnung der Art Frankfurt am 26. April 2003 um 17.30 durch die Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Petra Roth, verliehen.
Quelle: Presseinfo art frankfurt