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08.09.2018 - 14.10.2018

Markus Hoffmann: nuclear sanctuary / Thomas Dawidowski: unsteady flow

Th. Dawidowski, o. T. (Hexagon) 2014 / Markus Hoffmann, Green sediment I, 2017

Mit seiner ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland hinterfragt Markus Hoffmann (*geboren 1982 in Passau) das ästhetische Potential von radioaktiver Strahlung und ihrer sozio-politischen wie auch persönlichen Implikationen mit seinen recherche-basierten Arbeiten.

Markus Hoffmann fokussiert sich dabei auf die Fähigkeiten und Grenzen des Betrachters, sich mit seiner Umgebung in Bezug zu setzen und entwickelt seine ästhetischen Setzungen oftmals anhand von Randphänomenen der Wahrnehmungsfähigkeit. Hierbei stellt die natürliche sowie von Menschen forcierte Radioaktivität ein besonders faszinierendes, und doch kulturell stark mit Ängsten und Vorurteilen besetztes (Natur-) Phänomen dar, das Markus Hoffmann eindrücklich visualisiert und für unterschiedliche Sinne erlebbar macht. Dabei ist Radioaktivität für Hoffmann zugleich Material seiner künstlerischen Setzungen, reflektierter Inhalt, wie auch Konzept der ästhetischen Formfindungen. Das für menschliche Wahrnehmungsrezeptoren schwer fassbare Element wird in vielschichtigen und hintergründigen Objekten, Installationen, Filmen und Radiographien thematisiert und wahrnehmbar gemacht.

Die Ausstellung „nuclear sanctuary“ bietet einen Überblick über unterschiedliche Werkreihen und Themengebiete Hoffmanns, die sich mit der Transformation von Materialitäten und der Sichtbarmachung ungreifbarer Stofflichkeiten, wie Radioaktivität, beschäftigen. Seine transdisziplinäre Arbeitsweise und sein großes Interesse an Hintergrundwissen und der Geschichte des menschlichen Umgangs mit Radioaktivität fokussieren dabei auf das nicht bewusst wahrnehmbare Potential radioaktiver Strahlung, aber auch der uns umgebenden Welt mit ihren Ressourcen und ihrer Verwundbarkeit. Thematiken wie Vergänglichkeit und Zeitdimensionen – beim Verfall radioaktiver Teilchen eine kaum real fassbare Dimension – prägen eine weitere Ebene seiner  künstlerischen Arbeiten.

Insgesamt weckt Markus Hoffmann bereits in jungen Jahren mit seiner sehr eigenen Ästhetik auf tiefgründigen Ebenen eine weitergehende Reflektion unserer Wahrnehmung und unseres Verhältnisses zu der uns umgebenden Welt auf eine Weise an, die noch eine weitreichende künstlerische Karriere erahnen lässt.

Markus Hoffmann studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin an dem von Prof. Olafur Eliasson gegründeten Institut für Raumexperimente, sowie Medizin an der Charité in Berlin. Seine Arbeiten werden international ausgestellt und wurden bereits durch mehrere Stipendien unterstützt, unter anderem in einer Residency der Stiftung Bauhaus in Dessau. Hoffmann wurde 2015 der Meisterschülerpreis des Präsidenten der Universität der Künste in Berlin verliehen.

Kuratiert  von Julia Katharina Thiemann

Der Ausstellungsteil wird gefördert durch das Land Baden-Württemberg.

Zentrales Thema der Arbeiten von Thomas Dawidowski (*1985 in Mannheim) sind naturwissenschaftliche Phänomene und Beobachtungen, welche in einem ersten Schritt experimentell nachgestellt und auf ihre ästhetischen Strukturen hin untersucht werden. Jeder sich ergebende Folgeschritt wird dokumentiert und festgehalten. In diesem häufig sehr aufwendigen und langwierigen Prozess wandelt sich die Sprache sukzessive zu einer künstlerischen.

In „o.T. (Hexagon)“ etwa simuliert Dawidowski den nordpolaren hexagonalen Sturmwirbel des Saturns mithilfe fluoreszierender Flüssigkeit. Dabei entstehende Bilder werden dann als Videoinstallation oder Fotografien in den Kunstkontext überführt. Es ist der schier unmögliche Versuch, ein eigentlich über undenkbar lange Zeit zu Konstanz gefundenes Formphänomen im Kleinen, „self-made“ nachzuvollziehen, der eine unausweichlich faszinierende Wirkung auf den Betrachter ausübt. So erspürt und entlockt Dawidowski den Dingen eine Poesie, die ihnen zwar innewohnt, jedoch oft verborgen bleibt.

„Luftströmungen in unterschiedlichen Luftschichten bilden Verwirbelungen, kreieren künstlich anmutende geometrische Formen. Fließende Gewässer graben sich in die Landschaft, transportieren ganze Felsen über tausende von Kilometern. Nichts ist statisch, wenn man nur den Zeitrahmen groß genug wählt.“ so der Künstler.

Die Ausstellung im Kunstverein Wilhelmshöhe soll sich auf das Element Wasser konzentrieren. Wie der Titel „unstaedy flow“ schon verrät wird die Strömung und ihre Eigenschaft als unruhige, unregelmäßige Bewegung betrachtet und nach dem übersetzenden Prinzip des Künstlers untersucht und bearbeitet. Die natürlichen und physikalischen Eigenschaften von Wasser offenbaren hier gleichsam ästhetische Strukturen, die den Eingang in den künstlerischen Kontext öffnen und so eine Rezeption über einen, in diesem Zusammenhang eher ungewohnten Zugang ermöglichen. Bildhafte, rhythmische und musikalische Qualitäten schieben sich vor die haptischen. So treffen beispielsweise verschiedene Aggregatzustände in einem gläsernen Becken aufeinander und ergeben in ihrer herbeigeführten Verbindung zufällige ephemere Choreografien, welche sich mithilfe von Lichtbestrahlung, der Brechung des Lichts durch die unterschiedliche Dichte des Stoffes als analoge Filmprojektion dem Betrachter darbieten.

Der Titel der Ausstellung scheint progammatisch, betrachtet man zudem auch die Arbeitsweise Dawidowskis. Der Ursprung ist fix. Auf dem Weg zeichnen sich Schleifen und Kurven. Reibungen, Widerstände sowie Fügungen bestimmen die Form.

Kuratiert  von Christian Falkner

Der Ausstellungsteil wird unterstützt durch die Sparkasse Karlsruhe sowie die Stadtwerke Ettlingen

 

Eröffnung: Freitag, den 7. September, 19 Uhr
Laufzeit der Ausstellung: 08.09. - 14.10.2018
Öffnungszeiten: Mi - Sa 15 - 18, So 11 - 18 Uhr
und nach Vereinbarung
Eintritt frei

 

Der Kunstverein veranstaltet neben Ausstellungen und Kunstprojekten im öffentlichen Raum auch Vorträge und Lesungen.

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